Alchemie, irgendwie - 9/55Thoughts
Mein heutiges Essay führt mich zurück in den Januar 2026 und zu dem Thema, mit dem ich gestartet bin: Zuhause ankommen.
Das liegt vor allem daran, dass mir aufgefallen ist, wie sehr ich meine letzten Beiträge durch meine Linse als Therapeutin / Coachin geschrieben habe und nicht aus der Sicht der Kunstschaffenden.
Womit ich zum Punkt komme, nämlich dem Grund, weshalb ich „Zuhause ankommen“ überhaupt als Jahresthema gewählt habe: Zuhause ankommen ist für mich 2026 gleichgesetzt mit in der Kunst ankommen.
Das heißt, dass ich mich stärker mit meinem künstlerischen Ausdruck verbinden und diesen mehr genießen möchte. Ich möchte mich noch mehr in der Welt der Kunst zu Hause fühlen; denn es ist das Malen, das textile Arbeiten und das Schreiben, was mein Herz im Kern glücklich macht und nach mehr Ausdruck verlangt.
Ich läute also hiermit den Perspektivwechsel ein und schreibe mit dem Blick der Kunstschaffenden darüber, womit ich mich aktuell künstlerisch auseinandersetze. Das ist derzeit ein größeres textiles Projekt. Für dieses suchte ich einen Untergrund und habe mich daher intensiv mit der Auswahl eines Filzes beschäftigt, da ich gerne auf Filz arbeiten möchte.
Das klingt erst mal banal, doch kannst du dir vorstellen, dass man sich über mehrere Tage hinweg damit beschäftigen kann, einen Filz zu finden, der aus 100 % Schurwolle ist, kein Vermögen kostet, aber weich und rein ist und zudem farblich das vermittelt, was einem wichtig ist? Dann soll er gut bestickbar und benähbar sein, er darf nicht zu weich, aber auch nicht zu fest sein … und nicht zuletzt möchte ich, wenn ich den Stoff berühre, lächeln und mich freuen können.
Was sich merkwürdig anhören mag, ist letztendlich ein Prozess, der für mich im Kontext des künstlerischen Schaffens etwas sehr Essenzielles darstellt.
Der künstlerische Prozess lebt von Anbeginn von der Kraft, freie Entscheidungen zu treffen und darauf zu vertrauen, dass das, was ich zum Ausdruck bringen will, mir wahrhaftig entspricht. Ich muss mich mit einer Idee und verschiedenen Materialien innerlich verbinden, damit ich eine Essenz einfangen kann, die den Betrachter in seiner eigenen Welt abholt.
Jeder Start in ein Werk bedeutet eine bewusste Entscheidung für etwas, an dem mir etwas liegt, und gegen etwas anderes (oft auch etwas, woran mir etwas liegt, das aber eben nur zweitrangig in dem Moment ist).
Ein Kunstwerk wird somit zum Produkt eines Ausschlussverfahrens in dieser mit Informationen vollgestopften Welt. Es zeigt, was mich bewegt, mein Herz nährt, mich beseelt und mir das Gefühl von Zuhause-Sein gibt. Das Werk wird zum Fragment und macht eine Essenz sichtbar.
Alchemie, irgendwie.
Mein Zuhause-Ankommen für 2026 bedeutet, den Fokus auf mein künstlerisches Arbeiten zu legen – in der Hoffnung, dass das, was ich als wesentlich empfinde, auch dir sowie den anderen Leser:innen und Betrachter:innen einen inneren Anstoß geben möge, in eigene Prozesse einzutauchen.
Ich werde daher zukünftig in meinen Essays – wie anfangs geplant – den Fokus auf mein Erleben in der Kunst legen – so ist der Deal. Ich hoffe, du bist genauso gespannt auf den Ausgang wie ich ... bis kommende Woche.
Liebe Grüße, Sabine
PS: Ich habe übrigens den für mich perfekten Filz gefunden.









